Historie: Die Entstehung der Academy

 

Wie aus einer Idee ein europäisches Bildungsprojekt wurde

Die European Alpine Academy entstand aus einer einfachen Frage: Welche Zukunft hat Bildung im Alpenraum?
 

Als sich Anfang der 2020er Jahre abzeichnete, dass das traditionsreiche Internat des Klosters Ettal vor tiefgreifenden Veränderungen stehen würde,
begann innerhalb der James Loeb Gesellschaft eine intensive Diskussion über die Zukunft kultureller und humanistischer Bildung in den Alpen.
Eine solch traditionelle Kultureinrichtung darf Akteuren und Konzernen mit kommerziellen Interessen nicht überlassen werden. Sogleich wurde
Abt Barnabas mit der Idee kontaktiert, eine Alpenakademie zu gründen, um die Tradition des Klosters und das geistige Erbe Europas mit
den Anforderungen der Gegenwart verbinden sollte. 

Schnell wurde deutlich, dass die Herausforderungen weit über Ettal hinausreichen. Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel und die zunehmende
Entfremdung von Natur und kultureller Tradition stellten Bildungseinrichtungen im gesamten Alpenraum vor neue Aufgaben.
 

Die Gründung einer neuen Akademie

Unser Vorschlag war denkbar einfach: Drei Jahre lang würden wir das Konzept einer Alpenakademie auf seine Stichhaltigkeit testen, um am
Ende dieser Zeit unsere Machbarkeitsstudie dem Kloster zu überlassen. Im Jahr 2022 wurde die European Alpine Academy offiziell in
Ettal gegründet.  Ihr Ziel war von Beginn an nicht die Schaffung einer weiteren klassischen Sommerschule, sondern eines internationalen Forums für Kultur,
Wissenschaft, Philosophie und gesellschaftliche Zukunftsfragen.

Die Akademie versteht die Alpen nicht allein als geografischen Raum, sondern als kulturelle Landschaft Europas. Seit Jahrhunderten verbinden
die Alpen Nord und Süd unterschiedliche Sprachen, Traditionen und Denkweisen. An diese historische Rolle knüpft die European Alpine Academy an.
 

Die Erprobungsphase

In den Jahren 2023 bis 2025 wurden die Grundlagen des Projekts systematisch entwickelt. Im Mittelpunkt der ersten Akademien stand die Frage,
welche Rolle eine moderne Alpenakademie im 21. Jahrhundert spielen könnte. Diskutiert wurden Themen wie Humanismus und Digitalisierung,
kulturelles Erbe, Nachhaltigkeit, regionale Identität und europäische Zusammenarbeit.
 

Parallel entstand ein wachsendes Netzwerk von Partnern und Unterstützern aus Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft:
 

  • In München erklärte sich der Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek, Dr. Florian Knauß, dazu bereit,
    das Projekt einer Alpenakademie mit Rat und Tat zu unterstützen.
  • Auch die Direktorin des Schloßmuseums in Murnau, Frau Dr. Uhrig, machte sich für eine Alpenakademie in der Zugspitz Region/Blauen Land
    stark.
  • Mit Gabi Rudnicki und Georg Büttel waren schnell zwei tatkräftige Mitstreiter von der Murnauer Ödon-von-Horvath-Gesellschaft zur Stelle.
  • Murnauer Vereine, wie der Uffinger Schützenverein, öffneten der Alpenakademie Tür und Tor.
  • Jessica Kampmann-Albrecht und Maximilian Benn vom Maker Lab im James-Loeb-Haus in Murnau unterstützten die Teilnehmer
    der Alpenakademie tatkräftig bei ihren kreativen Prozessen.
  • Zu den frühen Unterstützern gehörten unter anderem Dr. Florian Knauß, Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München,
    Dr. Sandra Uhrig vom Schloßmuseum Murnau, Vertreter der Ödön-von-Horváth-Gesellschaft, zahlreiche Vereine der Region sowie das
    Maker Lab im James-Loeb-Haus Murnau und die Werbe- und Kommunikationsgentur Seitwerk in Uffing.
  • Selbst Künstler und Kulturschaffende aus dem Blauen Land begleiteten die Entwicklung der Akademie.
  • Die Villa Riedwies in Murnau wurde durch die Künstlerin Stefanie Speermann zu einem wichtigen Ort kreativer Begegnungen
    und interdisziplinärer Zusammenarbeit.
  • Alumni des Ettaler Gymnasiums, durch den ehemaligen Ettaler Altgriechisch Lehrer Roland Jurgeleit in der Timaios-Gesellschaft e. V
    (www.timaios-gesellschaft.de) vereint, erarbeiten seit Jahren mit den Teilnehmern der Alpenakademie Zukunftsprojekte
    zur „modernen Aufarbeitung (antiker) Philosophie und Kultur“.
  • Der international bekannte Murnauer Künstler Ugo Dossi hat schließlich entscheidend dazu beigetragen, dass die Alpenakademie 2024
    durch eine US-amerikanische Stiftung Startup Fördermittel bekommen konnte.
  • Erst in 2024 hat eine Murnauer Mäzenin ein Zentrum für Religion und Philosophie an der Universität München im großen Stil gefördert.
    Eine Zusammenarbeit mit diesem Zentrum alleine könnte eine weitere große Stütze für eine Ettaler Alpenakademie sein.
     

Von der regionalen Idee zum europäischen Netzwerk

Im Laufe der Jahre zeigte sich immer deutlicher, dass eine Alpenakademie nur dann dauerhaft erfolgreich sein kann, wenn sie europäisch
gedacht wird. Deshalb wurden Kontakte zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen in mehreren Ländern aufgebaut.
Heute umfasst das Netzwerk Partner in Deutschland, Österreich, Italien, Griechenland, Schweden, Dänemark und den Vereinigten Staaten.
 

Besondere Bedeutung kommt dabei den Beziehungen zu Universitäten in Innsbruck, Bozen, Thessaloniki, Göteborg und Aarhus zu.
Darüber hinaus bestehen Verbindungen zu internationalen Partnern in den USA, darunter auch Kontakte im Umfeld der Harvard University.
 

Das Blaue Land als Labor der Zukunft

Von Beginn an war die Akademie eng mit dem Blauen Land verbunden. Die Region rund um Murnau, Staffelsee und die Ammergauer Alpen
vereint auf einzigartige Weise kulturelles Erbe, landschaftliche Schönheit, künstlerische Tradition und gesellschaftliche Innovationskraft.
Hier finden sich ideale Voraussetzungen, um Fragen nach dem Verhältnis von Mensch, Natur, Technik und Kultur neu zu stellen.
 

Die Akademie begreift das Blaue Land deshalb als ein europäisches Labor der Zukunft, in dem neue Formen humanistischer Bildung
erprobt werden können.

 

Leider kündigte Ettal im Jahre 2025, nur wenige Tage vor der Ankunft der Akademieteilnehmer, abrupt die Zusammenarbeit mit der
James Loeb Gesellschaft auf. Wäre es nicht für die schnelle, unbürokratische Hilfe der Murnauer Oberbürgermeisters Rolf Beuting gewesen,
der förmlich über Nacht Unterbringungsmöglichkeiten für die Akademieteilnehmer in Murnau organisiert hatte, wäre dem Projekt einer
Alpenakademie im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ein großer Schaden hinzugefügt worden. Michaela Urban und Heinz Reil vom
Naturfreunde Verein Murnau boten der Alpenakademie schließlich unbürokratisch das „Georg-Rauch-Haus“ am Staffelsee als Bleibe zur Verfügung.
 

Ausblick

Das Ziel der European Alpine Academy besteht heute darin, ihr internationales Netzwerk weiter auszubauen und gemeinsam mit ihren Partnern
europäische Bildungs- und Kulturprojekte zu entwickeln. 
 

Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung, dass die großen Herausforderungen unserer Zeit weder allein technisch noch allein politisch
gelöst werden können. Gefragt sind Bildung, kulturelles Verständnis, internationale Zusammenarbeit und ein neues Nachdenken über
die Rolle des Menschen in Natur und Gesellschaft.

Die European Alpine Academy versteht sich als Beitrag zu diesem Dialog. Sie knüpft an die humanistische Tradition von James Loeb an
und verbindet sie mit einer europäischen Perspektive für die Zukunft.