Die alle zwei Jahre stattfindenden Loeb-Konferenzen zur Finanzierung der Loeb Classical Library Foundation an der Harvard University beginnen immer im Landhaus von James Loeb in Hochried. Dabei wurde stets auch der Gedenkstein von Marie Antonie und James Loeb auf einer Anhöhe am Marie-Antonien-Weg westlich von Hochried besucht, ein besonderer Platz mit Blick weit ins Estergebirge.
Das Grab gibt einige Rätsel auf:
Der Gedenkstein
Auf dem Tuffstein sind die Geburts- und Todesdaten von beiden Personen eingelassen:
Marie Antonie Loeb
Geb. 13. Juli 1864
Gest. 28. Januar 1933
James Loeb
Geb. 6. August 1867
Gest. 27. Mai 1933
Der Stein wird bedeckt von einer quadratischen (Kupfer?)-Platte in Form einer Sonnenuhr mit Polstab.
Sonnenuhr
Die Platte des Gedenksteins ziert eine Sonnenuhr mit umlaufender Inschrift:
Sonne, die im Leben
Du Freude uns gespendet
über unserer Asche nun
zeige jenen,
die noch an uns denken
die Stunden
wie sie entfliehn
Während eines Vortrags beim Historischen Verein Murnau konnte Dr. Dieter Birmann (http://www.sonnenuhren-manufaktur.de/) zeigen, dass Sonnenuhren eine ganz besondere Berechnung benötigen, sollten sie als Uhr funktionieren:
„Sonnenuhren dienen nicht nur der Zeitmessung, sondern sind als Symbol, Bestandteil und Gestaltungsmittel an Gebäuden sowie als Ausdruck der Architektur dieser Zeit zu sehen. Faszinierend ist bei gleichem Konstruktionsprinzip die Vielfalt der Gestaltung. Jede Sonnenuhr ist ein Unikat, das speziell für den Standort berechnet und konstruiert wird, sozusagen einmalig in einer Manufaktur hergestellt wird.“
Durch Vandalismus war (wieder einmal) der Polstab der Sonnenuhr abgerissen:
Dr. Birmann hat berechnet, wie der Polstab exakt zu ersetzen ist, denn nur so funktioniert die Sonnenuhr richtig.
Fotokopie Dr. Dieter Birmann, Hufschmiedstr. 22, 81249 München
Die Tuffbank
An der östlichen Seite des Gedenksteins steht eine geschwungene Bank aus Tuff mit einer runden Holzauflage, wohl noch aus der Zeit der Erstellung in Eiche, schon ziemlich verrottet, was auch einen besonderen Charme hatte.
Diese Bank gibt es noch einmal in Murnau und zwar im Besitz der Familie Asam. Sie ist jetzt an einem Aussichtspunkt aufgestellt.
Soweit bekannt gibt es bisher keinen Hinweis darauf, wer die Bank entworfen und gebaut hat.
Restaurierung der Sonnenuhr und der Tuffbank
Der Polstab der Sonnenuhr, vermutlich aus Kupfer gefertigt, war abgerissen und musste nach den Plänen von Dr. Birmann ersetzt werden.
Neuer Polstab
Auch die geschwungene Auflage aus Eiche der Sitzbank wurde ersetzt. Beides konnte rechtzeitig für die Konferenz Anfang Juni 2019 fertiggestellt werden.
Neue Auflage zur Tuffbank
Die James Loeb Gesellschaft hat der Marktgemeinde Murnau angeboten, künftig die Pflege der Grabstätte zu übernehmen.
Recherche zum Gedenkstein
Dr. Marion Hruschka, Leiterin des Marktarchivs Murnau, konnte lediglich 2 Dokumente zum Grab im Archiv finden.
Gerne nimmt die James Loeb Gesellschaft Hinweise entgegen, wer den Gedenkstein und die Sonnenuhr mit dem Text erstellt hat und von wem der Text ist.