Die Veranstaltungsreihe „Im Maß der Landschaft – Mensch, Natur und Verantwortung im Blauen Land“ greift das humanistische Erbe von James Loeb auf und überträgt es in unsere Gegenwart. Loeb verstand Kultur stets als Verpflichtung: gegenüber der Geschichte, der Gemeinschaft und dem geistigen Erbe Europas. Das Blaue Land erscheint dabei nicht nur als landschaftliche Schönheit oder künstlerischer Sehnsuchtsort, sondern als kultureller Raum, in dem sich das Verhältnis von Mensch und Natur immer wieder neu bestimmt. Historische Perspektiven, kunst- und kulturgeschichtliche Bezüge sowie aktuelle Fragen der Umweltverantwortung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts treten in einen lebendigen Dialog.
Die Reihe lädt Mitglieder, Freunde des Hauses, Studenten und alle an James Loeb oder an der Thematik Interessierten dazu ein, das Blaue Land im Sinne Loebs zu denken: als Ort des Maßhaltens, der Bildung und der Verantwortung für Mensch und Natur.
7. Juli 2026:
Prof. Dr. Iris Lauterbach, "„Der ernste Wald, die lachende Wiese und überall schaffende Natur“:
Villen- und Künstlergärten um 1900 in München und im Blauen Land
Schlossmuseum Murnau, Vortragssaal, Schloßhof 2-5, 82418 Murnau a. Staffelsee
Die renommierte Kunsthistorikerin beleuchtet die Gartenkultur der Jahrhundertwende und zeigt, wie Künstler, Architekten und
Intellektuelle ihre Vorstellungen von Natur und Lebensgestaltung in den Gärten des Blauen Landes verwirklichten.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht notwendig.
9. Juli 2026
Elfie Courtenay, Buchvorstellung: „Natur im Wandel: Gefährdungen durch Mensch und Klima“
James Loeb Haus, Veranstaltungsraum, James-Loeb-Straße 11, 82418 Murnau a. Staffelsee
Die bekannte Natur- und Umweltautorin widmet sich den tiefgreifenden Veränderungen unserer Landschaften durch Klimawandel
und menschliche Eingriffe. Im Mittelpunkt stehen Beobachtungen aus dem Alpenraum sowie die Frage, wie Natur- und Artenschutz
künftig gelingen können.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht notwendig.
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(Hans-Peter Söder, München)
Wenn ich Ihnen heute über Unfertiges berichte, dann hat dies einen guten Grund. Wie Sie alle wissen, arbeiten wir nun schon
seit fünf Jahren an einem Konzept für eine Sommerakademie für Murnau. Anstatt nur zu predigen, dass die Ideen des Humanismus,
über das Wahre, das Gute und das Schöne heute immer noch relevant sind, hatten wir uns vor fünf Jahren entschlossen,
die Texte für sich selbst sprechen zu lassen. Jeden Sommer wählen wir seitdem ein Buch aus James Loebs
Edition der Klassischen Meisterwerke der Antike (die Loeb Classical Library) aus, und diskutieren diesen Text im Lichte der Gegenwart.
Wir, das sind junge Menschen aus der ganzen Welt, und wir hier im Blauen Land. Das ist gut und schön, werden Sie sagen,
aber führt das auch zu etwas? Verändert es die Welt? Ja, diese jungen Menschen sind alle noch in Kontakt miteinander;
jedes Jahr kommen Einige zurück und einige kommen gar um dann hier in Murnau ein Praktikum zu machen.
Das Thema der Alpenakademie im Sommer 2025 war das bahnbrechendes Werk von Theophrast, dem Vater der Botanik:
Historia plantanum „Über die Pflanzen“. Viel diskutiert wurde über Bäume und Pflanzen als intelligente Wesen, die in einer Gemeinschaft
leben. Damals kamen wir auch auf Entstehungsmythen zu sprechen, nämlich Mythen, die eine Welt erklären, ohne auf empirische
Beweise zurückzugreifen. Es blieb nicht nur bei den Diskussionen, jeder musste auch seine Umwelt am Staffelsee in Form von Mythen erklären.
Unsere Herberge, das “Haus der Naturfreunde”, ist mittig am Staffelsee. Gegenüber liegt die Insel Wörth. Ab und zu hörte man
blecherne Geräusche auf der Insel. Die Kühe mit ihren Glocken konnte man nicht sehen. Ab und zu aber sah man etwas Goldenes aufblitzen.
Aber auch der See selbst ist abends oft in Gold getaucht. Weshalb das Gold im Blauen Land? Eine Teilnehmerin hatte eine Erklärung.
Ein Troll oder ein Bergzwerg, der sich in ein Mädchen auf dem Festland verliebt hatte, ist dort am Werk. Den ganzen Tag lang bearbeitet er
pures Gold, um eine Krone für seine Angebetete zu schmieden. Doch dann, wenn die Krone fertig ist, gerät sie immer zu groß und zu schwer
für seinen winzigen Kahn. Und jedes Mal, wenn er versucht, hinüberzufahren, um sie ihr zu bringen, kentert sein Nachen, und er kehrt
zur Insel zurück, um von neuem zu beginnen. Deshalb hört man auf der Insel Wörth öfter ein Scheppern und ein Kling und ein Klong und
deshalb glänzt der Staffelsee bis heute an vielen Stellen golden.
Meine Damen und Herren, ALLES zu verstehen und alles erklären zu können, bringt uns das so viel Mehrwert?
Ja, es verlängert unser Leben, aber macht es unsere Welt so viel lebenswerter? Wir haben die Welt
ausgeleuchtet. Aber vielleicht braucht sie auch ab und zu den Zauber der Dunkelheit.